Zur Orientierung im Minenfeld

Oktober 2023


Relativiert eine multiperspektivische Erinnerungskultur die Singularität der Schoah?
Welchen Effekt hat der antihegemoniale Diskurs um den Kolonialismus auf die Haltung gegenüber Israel?

Dicht am Puls des Konflikts, der die überfällige Debatte seit dem Massaker der Hamas befeuert und blockiert, untersuchen und vermitteln Autor*innen und Herausgeber*innen des kritischen Sammelbandes 'Frenemies', erschienen 2022 in Kooperation mit der Bildungsstätte Anne Frank, konkurrierende Positionen zu brennenden Fragen wie:

Können Linke antisemitisch sein?
Wie hängt der Kapitalismus mit Antisemitismus zusammen?
Ist Kritik an Israel antisemitisch?
Hat der Kunstbetrieb ein Problem mit Antisemitismus?
Ist Zionismus eine Form von Kolonialismus?
Gibt es Konkurrenz in der Erinnerung an den Holocaust und Kolonialismus?
Gibt es einen spezifischen Antisemitismus unter deutschen Muslim*innen?
Was bringt jüdisch-muslimischer Dialog?
Bildungsarbeit gegen Antisemitismus und antimuslimischen Rassismus: Geht das zusammen?

Sina Arnold, Saba-Nur Cheema und Meron Mendel haben den hochinformativen Band herausgegeben, ca. 50 weitere teils konträr positionierte Autor*innen zusammengetrommelt und schon vor Drucklegung im Ringen um ein Nebeneinander in einem Wespennest gestochert.


Frenemies. Antisemitismus, Rassismus und ihre Kritiker*innen. Herausgegeben von Meron Mendel, Saba-Nur Cheema und Sina Arnold. 350 Seiten. Edition Bildungsstätte Anne Frank 3. Verbrecher Verlag Berlin 2022. EUR 20,00

Sommerfrische

August 2023


Es war sehr frisch!

Pause

vom 18. bis 29. Juli 2023


Während am Timmendorfer Strand, sonst auch bekannt für seine hohen Kiefern, Palmen (Palmen!) aufpoppen, suchen wir Erquickung in böhmischen Dörfern und bayerischen Wäldern.
Erstmals in zwanzig Jahren bleibt die Buchhandlung für zwei Wochen geschlossen. Wir wünschen den Bleibenden und Reisenden eine schöne Ferienzeit!

Blumenmeer und...

20. April 2023


Wir danken unseren Gästen für reichlich und delikat Beigetragenes und Herbeigetragenes, danken allen Gestaltern und Gestalten des turbulenten Abends - speziell Hanne Römer für die gesellige Unterwanderung und das subversive Verzetteln des Buchbestands, Frank Baake für die Engführung versprengter Ereignisse im versöhnenden Vortrag und Martin Schneider dafür, dass unser vertagter Jubeltag keinesfalls sang- und klanglos verebbte.

Im Gegenteil. Wir wollen nicht verschweigen, dass die Letztverbliebenen gegen Morgen, einander nach vergrabenen Talenten ausforschend, in die Nähe eines Jodeldiploms gerieten.


Fotos: Christopher Greiss (Herzlichen Dank auch dafür!)

Jubeltag


15. April 2023

20 Jahre maKULaTUR! Darauf wollen wir mit Ihnen und euch am Samstag, dem 15. April, ab 20 Uhr endlich anstoßen.

Damit das geschriebene Wort nicht ganz untergeht, fallen ex machina ein:

- Hanne Römer aus Wien mit einer schreibmaschinellen Inventur und beiläufigen Intervention ihrer .aufzeichnensysteme
- Frank Baake, von Fall zu Fall wiederkehrend aus Düsseldorf, diesmal mit einer Passage aus Pancaldis Fall und mit
- Martin Schneider aus Berlin am Piano

Wir freuen uns auf Sie und euch bei Wein und ansonsten leichter Kost!
Birgit Böhnke und Regina Giese

20 Jahre maKULaTUR


(+ 3 Monate)

oben: Dezember 2002
darunter: April 2023


Nun sind wir schon weit über zwanzig!

Das Sortiment wuchs. Seht her! Nur ist es nicht in die Jahre gekommen: Es verjüngt sich mit jeder Woche und jedem neu erscheinenden Buch.

Lammfromm

01. April 2023


Den Reisenden raten wir zur bella figura an der Rezeption und empfehlen zur Vorbereitung wärmstens:
Keine Ostergrüße mehr! Die geheime Gästekartei des Grandhotel Waldhaus in Vulpera*

Wir aber möchten Sie und euch wiedersehen und wünschen Bleibenden und Reisenden schöne Ostertage!


*) erschienen in der Edition Patrick Frey (s. unter 'kulturwissenschaften')

 

...zurück ins Alltägliche


31. Dezember 2022

Schnee? Hatten wir bis zum frühen 4. Advent, eine Art Entwurfsskizze für Weihnachten, wenn auch schnell als wunsch-, aber nicht zeitgemäß verworfen.

Nur in unserem Schaufenster blickt noch immer Reh auf Schnee, den Schnee von gestern, und so zitieren wir aus Ted Hughes' bei Hanser neu erschienenen ausgewählten Gedichten* und wünschen ein gutes, alltäglich-festtägliches neues Jahr mit Bodenkontakt und dezenter Schwerkraft!


Rehe
...
'Dann duckten sie sich durch die Hecke, ritten aufrecht die eigenen Beine
Den Hang hinab übers schneeverwaiste Feld,
Dem Baumdunkel zu - bis sie schließlich
Zu wirbeln schienen, rutschten, aufwärts flogen
Ins Brodeln dichter Flocken.

Der Schnee verschluckte sie wie bald auch die Hufabdrücke,
Korrigierte seine eigene Eingebung
Zurück ins Alltägliche.'

 


*) Ted Hughes: Wodwo. Ausgewählte Gedichte, aus dem Englischen übersetzt von Jan Wagner. Hanser Verlag 2022

(DAS REH, siehe oben, ist einem Gemälde von Carl Schweninger entsprungen. Es ziert das gleichnamige Buch von Rudolf Neumaier, untertitelt: Über ein sagenhaftes Tier, Hanser Verlag 2022, und unser Fenster.