Schöner, schöner, am schönsten!


22.September 2018

Herbstfest in der Hüxstraße: maKULaTUR zeigt die 2018 von der Stiftung Buchkunst für ihre vorbildliche Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung prämierten ‚Schönsten deutschen Bücher 2018‘ und vermittelt einen Eindruck von der großen Bandbreite gestalterischer Möglichkeiten.

Nachhall


25.08.2018

Gut besucht ist kein Ausdruck.
Thomas Sparr, dem spiritus loci und einem herrlich üppigen Publikum verdanken wir einen Abend, der auf's Schönste und Vollste nachklingt. Der Autor gab Stuhl und Pult preis, eine Geste an die am Einlass gestaute Menschentraube, das Schließen der Türflügel schob die Vertrösteten eben noch so in die Diele. Und doch kein Knarren auf den Treppenstufen, belagert bis zu den oberen Rängen, kein Füßescharren der Stehenden auf den Gotlandfliesen. Der behutsam durch die Fülle des Materials navigierende Vortrag fand sein hingegeben den berstenden Raum bemeisterndes Publikum.

Ausufernd sind die Anregungen zum Weiterlesen.
Amos Oz nennt das moderne Hebräisch "eine druckfrische Eintrittskarte zu einem uralten Kulturschauspiel", zum umfänglichen Textcorpus jüdischer Überlieferung. Umgekehrt scheint der Vorhang vor dem jüngeren Kulturschauspiel, dem wortreichen Auftritt deutschsprachiger Immigranten, gefallen. Es sei denn, wir lüften ihn lesend. Gedrucktes macht ihn weit auf, vieles davon ist der verlegerischen Maieutik Thomas Sparrs geschuldet.

Nur diese Lektüren zu nennen: Scholem, der sich 'mit glühendem Unverstand' der kabbalistischen Überlieferung in die Arme warf, war ein herrlicher Briefschreiber, und die Briefpartner stehen ihm kaum nach: köstlich seine Mutter Betty; Benjamin, Werner Kraft, Hannah Arendt, Peter Szondi, der 'ohne jeden Zionismus' Israel 'einen Fixpunkt' seiner 'inneren Geographie' nennen, sich aber nirgends fixieren lassen mochte. Briefe Celan-Szondi. Die Widmung in Benjamins 'Einbahnstraße'. Dann Anna Maria Jokl: Perlmutterfarbe, Zwei Fälle; Lea Goldberg: Verluste.

Und im folgenden Cohns bald aus dem Hebräischen übersetzte Erinnerungen. Gewiss ist, dass zu Chaim Cohn und von Thomas Sparr hier nicht das letzte Wort gesprochen ist.


Fotos: RG, maKULaTUR

Israel: Lesung und Vortrag Thomas Sparr

maKULaTUR im Dielenhaus


22.08.2018 um 19:30 Uhr
Lübecker Dielenhaus
Fleischhauerstraße 79
23552 Lübeck


Tel 0451/ 707 99 71
buchhandlung@makulatur.com

Die Trave im Orient - Lübecker Spuren im deutsch-jüdischen Jerusalem

Thomas Sparr führt die debattierfreudige Gemeinschaft deutsch-jüdischer Exilierter im Jerusalemer Stadtviertel Rechavia zusammen, darunter Martin Buber, das Ehepaar Scholem, Else Lasker-Schüler; nach der Staatsgründung Lea Goldberg, Anna Maria Jokl, Hannah Arendt, Peter Szondi, als Gast Celan.

Importierte Gewohnheiten und bürgerliche Annehmlichkeiten spielen bei der Einübung in den Alltag in Eretz Israel keine geringe Rolle. Die Typografin Franziska Baruch erfindet das Marzipan neu und gestaltet die Marke frei nach Alfred Mahlau, das Holstentor weicht den Mauern und Zinnen eines stilisierten Jerusalem – umarmt von Else-Lasker Schüler als ihr Zion, ‚Vorhimmel des Himmels‘.

Andere sehen es nüchterner. Das Bourgeoise wie das Himmlische strandet im Buch immer wieder an der intellektuellen Skepsis des ‚Kabbalisten‘ Gershom Scholem, der einen zentrale Stellung in der Gesellschaft Rechavias behauptet. Kontrovers auch Scholems Verhältnis zu Hannah Arendt. Ihr Buch „Eichmann in Jerusalem“ führte nach 1963 zum Bruch.

Chaim Cohn (1911-2002), Enkel des Lübecker Rabbiners Salomon Carlebach, trug neben Fritz Bauer wesentlich zur Ergreifung Eichmanns bei – als Generalstaatsanwalt setzte er den Mossad auf ihn an. Seine Erinnerungen liegen bisher nur auf Hebräisch vor. Vor dem Hintergrund seiner Jahre an der Hebräischen Universität und am Leo-Baeck-Institut in Jerusalem erweitert Thomas Sparr, aufgewachsen in Lübeck, langjähriger Leiter des Jüdischen Verlags, später stellvertretender Leiter des Suhrkamp Verlags, sein Buch „Grunewald im Orient“ um ein ungeschriebenes Lübecker Kapitel.


Eintritt 8,-
Veranstalter: Buchhandlung maKULaTUR
Vorverkauf: Buchhandlung maKULaTUR, Hüxstr. 87, Lübeck
Telefon: Di - Sa 0451/ 707 99 71


Foto: © Amir Eshel

Sommer, spät


August 2018

Mit einem Buch in der Hängematte - lesen, umblättern, schauen, sich ablenken lassen (Amsel/oben, Gänse/von links nach rechts, Regionalbahn, Schiff/fern oder nicht je nach Windrichtung, Mücke/Patsch!) den Blick schweifen lassen, die Position ändern, zum Buch zurückkehren. Teju Coles 'Erforschung des Verhältnisses zwischen dem körperlichen Bewusstsein und der sichtbaren Welt' (Siri Hustvedt über 'Blinder Fleck', in diesem Jahr erschienen bei Hanser) bietet sich an.

Mehr darüber unter 'belletristik' und 'fotografie'!


Foto: RG, maKULaTUR

2. Hansekulturfestival Lübeck


8. bis 10. Juni 2018, diesmal in der südöstlichen Altstadt

Unter dem bunt bewimpelten und beschirmten Himmel über dem Aegidienviertel, unter Gießkannen, Lampenschirmen, Kronleuchtern und flatternder Wäsche (gut gemacht, Carsten Albrecht!) stach maKULaTUR in See - mit allem an Deck, was der unergründliche Schiffsbauch an maritimem Lesestoff hergab. Ahoi, auf ein nächstes Mal!


Fotos: RG, maKULaTUR

Die 15-Jahre-Jubelfeier

am 17. März 2018


Fotocollage 15 Jahre maKULaTUR

Einmal mehr hat sich an uns das Wunder der Prokrastination ereignet. Fünfzehn sind wir seit Dezember. Das Schöne am Hinauszögern ist ja die intensive Erfahrung, dass da noch Zeit vor einem liegt, in die man was hineinschieben kann.

„Wer heute eine Buchhandlung gründet“, hat Jenny Erpenbeck 2016 bei der Preisverleihung im Heidelberger Theater von der Bühne herab gesagt, und es war auf uns gemünzt, „kann nicht ganz bei Trost sein“. Heute ist demnach kein Tag, es ist eine Spanne. Trost suchen wir nicht, können auch keinen spenden, schon gar nicht im Hier und Jetzt, für das wir kein ausgeprägtes Talent haben, und 15 Jahre sind noch lange kein Grund zur Aufregung.

Wir sind deshalb besonders froh, dass wir die lakonische Stimme Hanne Römers gewonnen haben, deren aufzeichnensysteme auch nicht von Anfang und Ende sprechen. Und auch das fünfzehnte Jahr durchmessen haben.

Der Leser (der/ die Lesende) denkt vielleicht an die „Aufschreibesysteme“ des Kulturwissenschaftlers Friedrich Kittler. Eingängiges Zitat: „So gipfeln denn alle Sünden des klassischen Aufschreibesystems im Deutschaufsatz.“ Von solcher Sünde ist aufzeichnensysteme zweifelsfrei frei. Oder büßt sie ab. Und das zu unserem gepflegten Vergnügen.

Wir danken Hanne Römer für ihren konzentrierten poetischen Vortrag und für die Wiederbelebung der Schreibmaschine im sprachanalytischen Einzelgespräch, unseren lieben Gästen für die vielen Blumen, Gaben, Glückwünsche und Treuebeweise, Antoinette Moore und allen KöchInnen (Kochenden, Backenden), die feinste Speisen beitrugen, Klaus Giebel für die Bilder des Abends (s. oben, bei Klick auch größer) und allen zusammen für ein gelungenes Fest!



15 Jahre maKULaTUR

15 Jahre .aufzeichnensysteme


Samstag, 17.03.2018
ab 19.00 Uhr


mit Hanne Römer, Wien (.aufzeichnensysteme. Schreib- und Zeichenarbeiten an der Schnittstelle von Literatur/Bildender Kunst)


rechts zu sehen:
"Hirsch" (Abb.)
Handzeichnung (Feder/Tusche),
Schreibmaschine, Papiersackerl,
15 x 10 cm,
Jahresgabe 2017 Oberösterreichischer Kunstverein

Liebe Freundinnen und Freunde unserer Buchhandlung,

dem 875. Stadtgeburtstag halten wir mit vergleichsweise schwach geschwellter Brust unseren 15. Jubeltag entgegen.

Wir möchten das entsprechend verhalten feiern mit Ihnen oder euch und mit Hanne Römer / .aufzeichnensysteme / Wien, deren work in progress an der Schnittstelle von Literatur, visueller und radiophoner Kunst eben dasselbe juvenile Alter erreicht hat.

Die Autorin trotzt der Witterung und trägt vor aus ihrem jüngsten Buch ‚IM GRÜNEN‘, worin sie – und wir sagen es gleich – ‚eine fluide Form der Kurzschrift entwickelt, die Abgründe der Gegenwart nicht durch vorschnelle Sinnstiftung kaschiert‘ (Paul Pechmann, Ritter Verlag Klagenfurt).

Hört hört! Kommt, feiert mit uns juvenil und fluid!


IM GRÜNEN (Schaufenster)


16. März 2018

draußen schneit's, drinnen grünt's!