Feuerwerk?


31.12.2018

Feuerwerk? Nein: Seaweed-Prints by Superfolk/Ireland*, ganz emissionsfrei.

Wir wünschen einen heiteren Start ins neue Jahr!


*) s. u. 'schöne sachen'

...und manche Tanne ahnt, wie balde...


zum 24. Dezember 2018

'Die Schmückung beginne zunächst mit den schwersten Gegenständen, welche in die Nähe des Stammes gebracht werden. Nach diesen empfliehlt es sich, die Nüsse anzubringen. Abwechselnd miteinander müssen goldene und silberne etwa 3-4 Stück an die längeren und 2-3 an die kürzeren und an die obersten kurzen Zweige je nur 1 Stück gebunden werden. Die ebenfalls vergoldeten und versilberten Tannenzapfen dürfen weiter nach vorn in das zweite Drittel des Astes gebracht werden. Marzipan und Konfekt nimmt sich am besten zwischen je zwei Nüssen aus.

Glänzende Glaskugeln gibt man mehr den oberen Ästen, um den Effekt der sich in denselben brechenden Lichtstrahlen zu genießen. Metallspiralen und Christbaumlocken verteilt man an die Enden der Nebenzweige. Die einzelnen Sterne werden überall gleichmäßig verteilt, während die Ketten sich abwechselnd als Nuß-, Stroh-, Stern- und Papierketten über die Äste schlingen und verteilen.

Auf der Spitze des Baumes bringt man gewöhnlich einen großen Stern aus mit Goldpapier überzogener Pappe an, in dessen Oval man einen Weihnachtsengel einklebt. Prächtig nimmt sich auch ein breites Atlasband mit Goldfransen aus, welches in altgotischer Schrift den hehren Weihnachtsspruch >Ehre sei Gott in der Höhe< trägt. Nachdem noch die Lichter auf dem Baume angebracht worden sind, wird die Oberfläche der Äste mit lose auseinander gezupfter Watte belegt und diese mit ausgezogenen Fäden Silberrage befestigt.'

(aus Hugo Elm: 'Das goldene Weihnachtsbuch' (1878), zitiert in Bernd Brunner: 'Die Erfindung des Weihnachtsbaums', Insel Bücherei 2011)

Den Freundinnen und Freunden unserer Buchhandlung wünschen wir ein glanzvolles Weihnachtsfest und allzeit guten Rat im neuen Jahr!


Die Abbildung entstammt Nigel Slaters bei Dumont erschienenem 'Wintertagebuch - Rezepte, Notizen und Geschichten für die kalten Monate'. Der Autor dürfte, sollte er diese Anleitung nicht kennen, seine helle Freude an ihr haben: Als Winter- und Weihnachtsenthusiast teilt er freigiebig Begeisterung und Erfahrungswissen rund um Tannenbäume, Ständer, Schmückrituale und sichere Verwahrung der Christbaumpretiosen von Weihnacht zu Weihnacht.

Nachhall

Christoph Hein und Thomas Sparr im Johanneum


25.11.2018

Eine unverzichtbare Mitspielerin war die Aula, hochgewölbt, durchs deckenhohe Buntglasfenster tagsüber erleuchtet wie ein Kirchenraum, bestückt mit einer Orgel und durchwittert von einer bitteren Geruchsnote, diffuse Andeutung von Leibesübungen, Kolophonium und Angstschweiß. An Vormittagen werden hier Klausuren geschrieben, und unfassbar bleibt, dass es dem Lehrer Sven Fischer mit wenigen Schülern gelang, die vielleicht sechzig Pulte im Handumdrehen beiseite zu dirigieren und das Arrangement nach der Lesung akkurat wieder herzustellen. Indes spielte sich Jonathan Wittlich, dem Unterricht eben entronnen, im rasch übergestreiften Anzug an der Orgel warm, und Jonah Höhle richtete Ton und Licht.

Thomas Sparr lag die Anrede „Liebe Mitschüler“ auf der Zunge – dass er eben hier seine Gymnasialzeit bestritten hat, auch das bestach Christoph Hein, den Schreibtisch einmal mehr dem Podium zu opfern. Und er tat es  mit Wärme und Verve; an der Orgel schlug Jonathan Wittlich Bachs Orgelbüchlein auf und zog in den Atempausen mit Telemann und Boëllmann alle Register. Hein lieh den ersten Kapiteln die Stimme und ließ nichts aus. Eine Exposition, die vermuten lässt, dass sich die Mitgift der 50er in späteren Jahrzehnten der Romanhandlung nicht in Wohlgefallen auflöst. Dies vorausahnend, schloss Jonathan furios mit der Toccata in c-Moll aus Boëllmanns Suite Gothique.

Im Jahr `82 wird Friedeward seinen Doktorvater mit einer Laudatio im Wiener Burgtheater ehren; der Reiseantrag zwingt ihn ins indiskrete Visier des „Ministerium des Inneren“. Die Aktennotiz kehrt als Bumerang nach dem Mauerfall wieder; zur Rechtfertigung des Stasi-Kontakts sieht Friedeward sich genötigt, seine Homosexualität zu offenbaren. Und er zerbricht daran.

Mitdenken darf man, dass der Literaturwissenschaftler und -kritiker Hans Mayer, geb. 1907, Marxist jüdisch-bürgerlicher Herkunft und homosexuell, 1990 ebenda im Burgtheater die Laudatio auf den Erich-Fried-Preisträger Christoph Hein gehalten hat – im Buch revanchiert sich Friedeward vorweg bei Mayers literarischem Pendant und antizipiert Christoph Heins Nachruf auf Hans Mayer aus dem Jahr 2001.

In der Aula wurden am Morgen darauf erst einmal wieder andere Leviten gelesen.


Foto: Kathrin Maetzel. Herzlichen Dank!

Einladung zur Autorenlesung

maKULaTOUR ins Johanneum


Christoph Hein liest aus 'Verwirrnis'. Thomas Sparr moderiert.


Dienstag, 20. November 2018
19 Uhr
Aula des Johanneum
Bei St. Johannis 1-3


Tel 0451/ 707 99 71
buchhandlung@makulatur.com

CHRISTOPH HEIN liest aus seinem Entwicklungsroman VERWIRRNIS. Thomas Sparr, als Autor noch im August unser Gast, begleitet ihn als Freund und Verleger und wird moderieren. An der Orgel: Jonathan Wittlich.

Wir freuen uns auf diesen besonderen Abend.


Nachkriegsdeutschlands geografische Mitte, „Ostzone“, das familiäre Milieu streng katholisch, der Vater – Studienrat - ein gestählter Pazifist, der die Söhne mit dem Siebenstriemer züchtigt und ertüchtigt. „Wen schmerzt das am meisten?“ „Dich, lieber Vater, dich.“ Ein Verhängnis für die Liebesbeziehung der Gymnasiasten Friedeward und Wolfgang.

Aus der moralischen Enge von Heiligenstadt zieht es beide ins pulsierende Leipzig, der Kantorssohn Wolfgang studiert Kirchenmusik, der Lehrerssohn Germanistik; sie verbünden sich mit einem Frauenpaar und inszenieren überkreuz vor den Elternhäusern gottgefällige und gesellschaftsfähige Verlobungen. Man diskutiert, besucht Theateraufführungen und die Vorlesungen im legendären Hörsaal 40, bis Wolfgang sich zum Weiterstudium nach Westberlin verabschiedet – nicht lange darauf, 1957, eilt das reformierte Strafrecht der DDR der prüden Gesellschaft beider Deutschland voraus.

Indes Wolfgang im Westen Stipendium, Studienabschluss und Kantorenstelle riskiert, reussiert Friedeward im Schutz einer Scheinehe auf der akademischen Laufbahn. Er  tarnt sich, er verbiegt sich nicht. Als geachteter Ordinarius geht er aus den Grabenkämpfen an der Universität nach der „Republikflucht“ seines prominenten Doktorvaters hervor. Der grandiose Germanist bleibt der Leipziger Zeit verbunden; zum 75. wünscht er sich den einstigen Doktoranden als Laudator. Eine schöne Geste. Und ein Verhängnis.


Christoph Hein, dem als Pfarrerssohn, geboren 1944, aufgewachsen in Bad Düben bei Leipzig, die weiterführende Schule verwehrt war, besuchte bis zum Mauerbau ein Westberliner Gymnasium; nach beruflichen Umwegen studierte er Philosophie und Logik in Leipzig und Ostberlin. Er arbeitete als Dramaturg und Hausautor an der Volksbühne und ist seit 1979 freier Schriftsteller. Die in 22 Sprachen übersetzte Novelle Der fremde Freund (BRD-Titel Drachenblut) machte ihn international bekannt; es folgten Theaterstücke, Libretti, Erzählungen, die Romane, zuletzt Weiskerns Nachlass, Glückskind mit Vater und Trutz. Hein war von 1998 bis 2000 Präsident des gesamtdeutschen PEN-Clubs und ist heute dessen Ehrenpräsident.


Eintritt 8 EUR, Schüler 4 EUR
Veranstalter und Vorverkauf:
Buchhandlung maKULaTUR, Hüxstr. 87, Lübeck
Telefon Di - Sa 0451/ 707 99 71

Lesung Svenja Leiber: Staub

maKULaTOUR ins Dielenhaus


25.10.2018 um 20 Uhr
Lübecker Dielenhaus
Fleischhauerstraße 79
23552 Lübeck

Tel 0451/ 707 99 71
buchhandlung@makulatur.com

Eine Familie löst den Hausstand auf. Der Vater, Arzt aus Überzeugung, wagt ein berufliches Experiment in der Fremde Saudi-Arabiens, im Riad der 80er Jahre. Das Widerstreben des jüngsten Kindes schwebt wie ein Menetekel über der Veränderung. Das Kind kommt abhanden, kehrt stumm und verstört wieder, es verkümmert. Die Rückkehr ins Sauerland bleibt ohne Wirkung.
Jahre später löst der Bruder, Arzt ohne Verpflichtung, gequält von der Erinnerung, seine Berliner Wohnung auf und nimmt Quartier bei einem Freund in Amman. Die Sorge um einen rätselhaft gealterten Jungen ergreift von ihm Besitz; nach einer ohnmächtigen Odyssee durch arabische Verhältnisse verliert sich in Jerusalem die Spur auch dieses Kindes.

Svenja Leiber, 1975 in Hamburg geboren, wuchs im Lübecker Umland auf und verbrachte als Kind einige Zeit in Saudi-Arabien. Sie studierte Literaturwissenschaft, Geschichte und Kunstgeschichte und wohnt heute mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Berlin. 2005 debütierte sie mit dem Erzählungsband Büchsenlicht, 2010 folgte der Roman Schipino. Im Suhrkamp Verlag erschien 2014 Das letzte Land.

Wir laden herzlich ein zur Lesung ins Dielenhaus:
Am Donnerstag, dem 25. Oktober, 20 Uhr, stellt Svenja Leiber ihren Roman ‚Staub‘ vor. Hier war sie schon 2015 zu Gast mit dem Musikerroman ‚Das letzte Land‘ - das Land, unverkennbar hiesig, hat sie gewechselt, im neuen Buch geht sie über den Jordan. Wir sind hocherfreut, sie unversehrt bei uns wiederzusehen!


Eintritt 8,-
Veranstalter und Vorverkauf
Buchhandlung maKULaTUR, Hüxstr. 87, Lübeck
Telefon Di - Sa 0451/ 707 99 71

Schön, schöner, am schönsten!

Schönste deutsche Bücher 2018, prämiert von der Stiftung Buchkunst


22.September 2018

Herbstfest in der Hüxstraße: maKULaTUR zeigt die 2018 von der Stiftung Buchkunst für ihre vorbildliche Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung prämierten ‚Schönsten deutschen Bücher 2018‘ und vermittelt einen Eindruck von der großen Bandbreite gestalterischer Möglichkeiten.

Nachhall


25.08.2018

Gut besucht ist kein Ausdruck.
Thomas Sparr, dem spiritus loci und einem herrlich üppigen Publikum verdanken wir einen Abend, der auf's Schönste und Vollste nachklingt. Der Autor gab Stuhl und Pult preis, eine Geste an die am Einlass gestaute Menschentraube, das Schließen der Türflügel schob die Vertrösteten eben noch so in die Diele. Und doch kein Knarren auf den Treppenstufen, belagert bis zu den oberen Rängen, kein Füßescharren der Stehenden auf den Gotlandfliesen. Der behutsam durch die Fülle des Materials navigierende Vortrag fand sein hingegeben den berstenden Raum bemeisterndes Publikum.

Ausufernd sind die Anregungen zum Weiterlesen.
Amos Oz nennt das moderne Hebräisch "eine druckfrische Eintrittskarte zu einem uralten Kulturschauspiel", zum umfänglichen Textcorpus jüdischer Überlieferung. Umgekehrt scheint der Vorhang vor dem jüngeren Kulturschauspiel, dem wortreichen Auftritt deutschsprachiger Immigranten, gefallen. Es sei denn, wir lüften ihn lesend. Gedrucktes macht ihn weit auf, vieles davon ist der verlegerischen Maieutik Thomas Sparrs geschuldet.

Nur diese Lektüren zu nennen: Scholem, der sich 'mit glühendem Unverstand' der kabbalistischen Überlieferung in die Arme warf, war ein herrlicher Briefschreiber, und die Briefpartner stehen ihm kaum nach: köstlich seine Mutter Betty; Benjamin, Werner Kraft, Hannah Arendt, Peter Szondi, der 'ohne jeden Zionismus' Israel 'einen Fixpunkt' seiner 'inneren Geographie' nennen, sich aber nirgends fixieren lassen mochte. Briefe Celan-Szondi. Die Widmung in Benjamins 'Einbahnstraße'. Dann Anna Maria Jokl: Perlmutterfarbe, Zwei Fälle; Lea Goldberg: Verluste.

Und im folgenden Cohns bald aus dem Hebräischen übersetzte Erinnerungen. Gewiss ist, dass zu Chaim Cohn und von Thomas Sparr hier nicht das letzte Wort gesprochen ist.


Fotos: RG, maKULaTUR

Israel: Lesung und Vortrag Thomas Sparr

maKULaTUR im Dielenhaus


22.08.2018 um 19:30 Uhr
Lübecker Dielenhaus
Fleischhauerstraße 79
23552 Lübeck


Tel 0451/ 707 99 71
buchhandlung@makulatur.com

Die Trave im Orient - Lübecker Spuren im deutsch-jüdischen Jerusalem

Thomas Sparr führt die debattierfreudige Gemeinschaft deutsch-jüdischer Exilierter im Jerusalemer Stadtviertel Rechavia zusammen, darunter Martin Buber, das Ehepaar Scholem, Else Lasker-Schüler; nach der Staatsgründung Lea Goldberg, Anna Maria Jokl, Hannah Arendt, Peter Szondi, als Gast Celan.

Importierte Gewohnheiten und bürgerliche Annehmlichkeiten spielen bei der Einübung in den Alltag in Eretz Israel keine geringe Rolle. Die Typografin Franziska Baruch erfindet das Marzipan neu und gestaltet die Marke frei nach Alfred Mahlau, das Holstentor weicht den Mauern und Zinnen eines stilisierten Jerusalem – umarmt von Else-Lasker Schüler als ihr Zion, ‚Vorhimmel des Himmels‘.

Andere sehen es nüchterner. Das Bourgeoise wie das Himmlische strandet im Buch immer wieder an der intellektuellen Skepsis des ‚Kabbalisten‘ Gershom Scholem, der eine zentrale Stellung in der Gesellschaft Rechavias behauptet. Kontrovers auch Scholems Verhältnis zu Hannah Arendt. Ihr Buch „Eichmann in Jerusalem“ führte nach 1963 zum Bruch.

Chaim Cohn (1911-2002), Enkel des Lübecker Rabbiners Salomon Carlebach, trug neben Fritz Bauer wesentlich zur Ergreifung Eichmanns bei – als Generalstaatsanwalt setzte er den Mossad auf ihn an. Seine Erinnerungen liegen bisher nur auf Hebräisch vor. Vor dem Hintergrund seiner Jahre an der Hebräischen Universität und am Leo-Baeck-Institut in Jerusalem erweitert Thomas Sparr, aufgewachsen in Lübeck, langjähriger Leiter des Jüdischen Verlags, später stellvertretender Leiter des Suhrkamp Verlags, sein Buch „Grunewald im Orient“ um ein ungeschriebenes Lübecker Kapitel.


Eintritt 8,-
Veranstalter: Buchhandlung maKULaTUR
Vorverkauf: Buchhandlung maKULaTUR, Hüxstr. 87, Lübeck
Telefon: Di - Sa 0451/ 707 99 71


Foto: © Amir Eshel